Stülerkirche



Während das Dorf Reitwein bereits 1316 seine erste urkundliche Erwähnung als „Ruthewyn“
gefunden hat, ist erst für das Jahr 1414 der Bau einer Kirche in Reitwein bezeugt. Pfarrer Schröder (1) berichtet in anrührenden Worten, wie sich die Reitweiner damals das Recht für eine eigene Kirche erkauften – zuvor war Reitwein nach Lebus eingepfarrt. Diese alte Kirche, ein Granitquaderbau, stand bis 1856 und wurde dann zugunsten des jetzigen Kirchbaus abgerissen, weil sie mit ihren 280 Plätzen der Gemeinde, die 1855 mehr als 900 Seelen zählte, zu klein geworden war.

Bereits am 28. Mai Reitwein11855 hatte die Grundsteinlegung für die neue Kirche stattgefunden. Auf Initiative des Patrons Rudolf Graf Finck von Finckenstein und unter der Bauleitung des Berliner Architekten Friedrich August Stüler, der ein Schüler von Karl Friedrich Schinkel war, wurde die heutige neogotische Kirche am Hang der Reitweiner Berge erbaut und am 25. August 1858 eingeweiht. Das Kirchenschiff ist ein Backsteinbau mit kreuzförmigem
Grundriss.

Der Westturm misst insgesamt 46 m Höhe.

In den letzten Kriegsmonaten wurde die Kirche schwer beschädigt und blieb fast fünf Jahrzehnte lang eine Ruine. 1970 sollte die Kirche auf Anordnung der kommunistisch-kirchenfeindlichen Seelower Kreisverwaltung gesprengt werden; der Gemeindekirchenrat mit dem zuständigen Pfarrer Hans-Georg Rieger konnte sie aber vor der völligen Zerstörung bewahren. Einige geschichtsbewusste Reitweiner sicherten in den 80er Jahren wertvolle Teile der Bausubstanz vor der zunehmenden Verwitterung.

Erst nach der Wende konnten einige Sanierungsarbeiten beginnen. Bereits 1993 wurden die Mauerwerkskronen des Langhauses neu aufgemauert und mit Zinkblech belegt; auch wurde die Überdachung der Apsis sowie der Ostgiebel fertig gestellt. Fünf Jahre später begann der Wiederaufbau des Kirchturmes unter Leitung des Frankfurter Architekten Hans Tulke, der auch der Erbauer des Frankfurter Oderturmes war. Schon am 3. September 1999 wurde die Kirchturmspitze aufgesetzt. Der Turm erhielt drei Glocken, von denen zwei neu in Lauchhammer gegossen wurden, die mittlere Glocke war in Reitwein vorhanden. Das neue Geläut wurde am 5. Oktober 2001 eingeweiht.

Die offene Kirche wird für kirchliche, kommunale und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

 

Kirchenbesichtigungen sind möglich, bitte rechtzeitig anmelden.